MENTOREN 2015

Dirigieren
Hier arbeitet Michaela als angehende Dirigentin während der letzten Projektphase am Feinschliff.

Musikalische Zauberwerke für Kinder

Ein Bericht von Musikmentorin Michaela. Luftschlangen, Kaubonbons und leuchtende Papierblumen. Die zahlreichen Zauberwerke der kleinen Hexe begeisterten Groß und Klein am Kinderkonzert der BDB-Musikmentoren 2015. Das innerhalb vier Wochenenden erarbeitet Projekt feierte seine Premiere am vergangenen Freitag und Samstag in der Turn- und Festhalle Oberbergen.

Strahlende Kinderaugen, die mit gespannter Erwartung die Abenteuer der kleinen Hexe verfolgten, prägten das Kinderkonzert der diesjährigen Jungdirigenten. Diese haben sich im Rahmen einer Ausbildung zu Musikmentoren und Musikmentorinnen engagiert, um das erlernte Dirigieren, Songschreiben und Organisieren eines musikalischen Projekts in die Tat umzusetzen.

Als Grundlage für diese Aufgabe, diente das Buch „Die Kleine Hexe“, von Otfried Preußler. Die Erzählung handelt von einer kleinen Hexe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, innerhalb eines Jahres eine gute Hexe zu werden, um bei der Walpurgisnacht teilnehmen zu dürfen. Dabei muss sie viele Hindernisse überwältigen um letztendlich ihren Traum zu verwirklichen. Dass dieses Projekt natürlich viele schlaflose Nächte mit sich bringt und viel Ausdauer und Konzentration erfordert, haben alle Musikmentoren  in den Arbeitsphasen erfahren können. „Natürlich waren die Probephasen gerade jetzt im Endspurt anstrengend, aber ich muss sagen, es hat sich gelohnt“, behauptet Moritz (18 Jahre, ebenfalls Musikmentor). Die Bestätigung dafür, dass sich die Mühe gelohnt hat, ist der tosende Applaus den jeder der 50 Jungdirigenten genießen durfte, sowie das Lächeln der zahlreich erschienenen Kinder.

Zusammenfassend muss man sagen, dass die kleine Hexe sich auch als Vorbild für uns Musikmentoren herausgebildet hat. Wer seine Ziele erreichen will, muss hart daran arbeiten und sich durch viele Hindernisse kämpfen. Aber all die Arbeit hat sich ausgezahlt und so dürfen sich die Musikmentoren über eine Auszeichnung in Karlsruhe freuen. Und wer weiß, vielleicht vollbringen diese auch in Zukunft nach abgeschlossener Ausbildung weitere musikalische Zauberwerke.



Vollgas auf dem Hexenbesen

Nur für die Kinder: BDB-Musikmentoren singen, rappen, zaubern und schauspielern

„Ihr müsst echt alle zusammenhelfen. Wir haben nicht ewig Zeit“, fordert Thomas Epple die angehenden Mentoren zum Beginn der letzten Arbeitsphase auf. Endspurt an der Musikakademie in Staufen – die erste Probe zeigt, dass den über 40 Jugendlichen noch ein hartes Stück Arbeit bevorsteht.

„Lars, worauf wartest du?“, will Lehrgangsleiter Epple wissen. Der Pianist steht vor dem Dirigentenpult, deutet mit dem Taktstock in die letzte Reihe des Orchesters und sagt: „Auf die Schlagzeuger, die sind noch nicht an ihren Instrumenten.“ Immer wieder gerät die Probe ins Stocken. Hier fehlen Partituren, dort einzelne Stimmen. Zaubersprüche müssen noch geschrieben und der Ablauf um die Konzertmoderation verinnerlicht werden. Zwischendurch fehlt der Enthusiasmus – die Dozenten schauen Thomas Epple zweifelnd an. Da ruft er in den Proberaum: „Ey Mann, das sind Kinder! Drama, Baby!“ Der nächste Versuch, das Kinderkonzert einmal durchzuspielen:

„Opa, erzähl mir eine Geschichte“, bittet Charlotte ihren Großvater Benjamin. Der fragt: „Was möchtest du denn hören? Rotkäppchen, Aschenputtel, …?“ Seiner Enkelin sind die Vorschläge des Großvaters zu langweilig. Also zieht Benjamin das Buch „Die Kleine Hexe“ hervor.

Was dann kommt, ist eine Geschichte, die zum Lachen und Mitmachen anregt. So zaubert die Hexe Leonie im kalten Winter den frierenden Bonbon-Verkäufer Henry gesund: „Husten, Schnupfen, Zauberei. Nun ist das Frieren schon vorbei. Warme Füße sollst du haben, befreie dich von deren Plagen. Hex-Hex-Bling-Bling!“ Sekunden später kann Henry wieder Süßigkeiten an Kinder verschenken.

Am Samstagnachmittag kommt es zum Stilbruch. Bereits zum zweiten Mal bringen Sebastian Scheipers und Lukas Oberascher frischen Wind in den Mentorenkurs. „Musik macht Schule“ steht auf dem Programm – am Abend sollen die Mentoren ihren eigenen Song aufnehmen. Einen, der der kleinen Hexe Mut machen soll, um ihr Ziel zu kämpfen. Was die Jugendlichen dazu brauchen? Drei Akkorde, Kreativität und Spaß am Musikmachen.

Brigitte Nies erklärt: „Sebastian und Lukas zeigen den Jugendlichen, was man mit Anleitung in kürzester Zeit auf die Beine stellen kann und nehmen ihnen den Respekt vor dem Improvisieren.“ Mit Erfolg, denn die Mentoren sind begeistert. Schlagzeuger Maximilian sagt: „Das hat einfach Spaß gemacht, weil wir richtig Musik gemacht haben.“ Tenorsaxofonist Theo ergänzt: „Den Rap-Part der Gesangsgruppe fand ich richtig gut.“ Leonie pflichtet den beiden Jungs bei und sagt: „Es war super, wie schnell das ging. Die beiden Typen sind echt lässig.“

Nützliche Tipps gibt auch Ronald Holzmann, ehemaliger Vorsitzender des BDB-Musikbeirats. Er coacht die Mentoren in Rhetorik, damit die Jugendlichen lernen, wie man Konzerte moderiert. „55 Prozent Körpersprache, 28 Prozent Voice Tonality und sieben Prozent Wörter“, antwortet Theo ohne zu zögern. Das werde er nicht vergessen. Es kommt also nicht in erster Linie darauf an, was man auf der Bühne sagt, sondern wie man es sagt.

„Es geht weiter“, sagt Sarah. Bevor der letzte Probendurchlauf startet, gibt Thomas Epple nochmal Anweisung: „Es sind unterschiedliche Dirigenten, es werden unterschiedliche Tempi sein. Ihr müsst hellwach sein.“ Plötzlich fliegt der Rabe Abraxas durch die Luft, der Besen fliegt gleich hinterher – Leonie fängt die Requisiten gekonnt. Ihre Hexen-Kolleginnen rufen ihr zu: „Und jetzt Vollgas!“

Projektassistent Dominik Rauer zeigt sich zufrieden und stellt am Sonntagmorgen in den Proben fest: „Das Gute ist, dass es langsam Gestalt annimmt. Texte sitzen jetzt, es weiß jeder, wann er vorne auf der Bühne steht. Der Ablauf wird flüssig, ich glaube, wir sind bestens gewappnet für die Aufführungen.“

Lisa Reiff

 

Gleich vormerken für alle, die auch BDB-Musikmentor werden möchten:

Nach dem Abschluss des Kinderkonzertes zu „Die Kleine Hexe“ und der Urkundenübergabe planen die Dozenten mit Thomas Epple und Brigitte Nies schon den nächsten BDB-Mentorenlehrgang. Die Termine stehen bereits fest:

1. Phase: 26.02 - 28.02.2016
2./3. Phase: 20.03 - 24.03.2016
4. Phase: 03.06 - 05.06.2016
Projektphase: 17./18.06.2016
Urkundenübergabe: 25.06.2016

Infos online ab Mitte Juli unter
www.bdb-musikmentoren.de
www.blasmusikverbaende.de
www.schulmusik-online.de



Darum wollen wir Musikmentor werden…

Wir haben 10 angehende Mentoren nach ihren Highlights während des Lehrgangs gefragt und wollten wissen, warum sie die Ausbildung zum Mentor überhaupt machen. Bei allen stand das gemeinsame Musizieren im Vordergrund. In Kleingruppen erarbeiteten wir das Kinderkonzert zum Buch „Die Kleine Hexe“. Nebenbei lernten wir uns auch gegenseitig besser kennen. Aber lesen Sie selbst, was wir an unserem gemeinsamen Projekt und an den anderen Musikern besonders schätzen.

 

Henry: „Ich möchte neue Leute kennen lernen, die sich wie ich für Musik interessieren.“

Klemens: „Viele aus meinem  Verein haben die Ausbildung schon gemacht. Was sie erzählt haben, hat mich begeistert. Deshalb wollte ich das auch mal ausprobieren. Hier lernt man neue Freunde kennen.“ 

 

 

Theo: „Ich mache die Mentoren Ausbildung, um mich musikalisch weiterzubilden.“

Lorena: „Ich interessiere mich für die Jugendarbeit und möchte mich dort auch in meinem Verein mehr engagieren. Im Mentoren Kurs lerne ich die nötigen Grundlagen.“

 

Meike: „Ich mache den Lehrgang, um mich weiterzubilden, um eventuell die Leitung eines Orchesters zu übernehmen und um mit anderen Musik zu machen.“    

 

Jule: „Ich möchte nach der Ausbildung Aufgaben im Verein übernehmen. Hier lernt man andere Personen kennen, die auch gerne Musik machen.“



Pressemitteilungen

BDB-Musikmentoren 2015 arbeiten an Kinderkonzert
Musikalische Überraschung mit der "Kleinen Hexe"

Vortrag Michael Stecher

Obwohl die „Kleine Hexe“ schon über 127 Jahre alt ist, steckt sie noch voller jugendlichem Elan. Eigenständig erarbeiteten die BDB-Musikmentoren in vier intensiven Unterrichtsphasen das Kinderkonzert auf Grundlage des Buches „Die Kleine Hexe“ von Otfried Preußler, welches schon mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde. Mit schauspielerischen Passagen aus eigens ausgewählten Orchesterwerken soll die Handlung des Buches kindgerecht und spannend dargestellt werden.
Am 19. und 20. Juni bringen die Jugendlichen Preußlers Buch als Kinderkonzert auf die Bühne. Genauere Absprachen werden zurzeit mit der Winzerkapelle und der Ortsverwaltung Oberbergen getroffen.
In der Arbeitsphase Ende März haben die Jugendlichen von Michael Stecher gelernt, warum sie sich zum Üben motivieren und von sich aus Neues lernen wollen. Daneben kam die Orchesterleitung mit Thomas Epple nicht zu kurz – immerhin werden die Mentoren die drei Kinderkonzerte auch selbst dirigieren, damit sie künftig die Leitung von Jugendorchestern in Schulen und Vereinen übernehmen können. „Ich möchte euch weises Dirigieren beibringen“, sagt der Dozent Thomas Epple im ersten Dirigierworkshop. Manche der angehenden Dirigenten geben ihrem Orchester zu viele Impulse. Der Tipp von Thomas Epple: „Weniger ist mehr.“ Als die Mentoren der Reihe nach vor das Orchester treten und den Taktstock in fließenden Bewegungen durch die Luft schwingen, stellen sie fest: Der Reiz des Dirigierens besteht darin, dass man seine eigene Idee der Musik verwirklichen kann.
Auch Vorlesungen in Sachen „Betreuung Jugendlicher“, „Gruppenführung“, „Öffentlichkeitsarbeit“ und „Rechtsfragen“ wurden von verschiedenen Dozenten gehalten, die teilweise schon selbst die Mentorenausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Unter anderem durch Vorlesungen von Rechtsanwälten sind die Mentoren fähig, sich bei Orchesterprobephasen oder Konzertreisen als Betreuer zu engagieren.
Für die Jugendlichen waren Dialekte anderer Teilnehmer von der Schweizer Grenze bis Ulm neu. So lernte man auch neue Wörter, wie beispielsweise „mach d’micke uff“ (Gib Gas) oder „Zischdeg“ (Dienstag). Dies führte teilweise zu Verständigungsschwierigkeiten.
Nach Abschluss der Ausbildung stehen den Mentoren weitere Möglichkeiten zur musikalischen und überfachlichen Weiterbildung offen. Die „JuLeiKa“ (Jugendleiterkarte) berechtigt beispielsweise zur Übernahme der Aufsichtspflicht von Jungmusikern. Zunächst stellen die Musikmentoren ihre Fähigkeiten an drei Aufführungen unter Beweis. Lassen Sie sich die Kinderkonzerte im Juni nicht entgehen!

Von Moritz Vogel und Marius Kraus

Erschienen: blasmusik - Ausgabe Mai



Fliegende Taktstöcke
BDB-Mentoren dirigieren zum ersten Mal ganzes Orchester

Dirigieren

„Wer mag als nächstes?", fragt Thomas Epple ins Orchester. Vor ihm sitzen über 40 angehende Musikmentoren. Die Taktstöcke und Partituren liegen auf den Notenständern. „Komm, das macht Spaß!", ermutigt der Lehrgangsleiter eine Hornistin. Sie steigt aufs Podest und fragt: „Und was muss ich jetzt machen?" Sie schlägt ihre Partitur auf und sieht die Anweisung selbst: Zwei Vierteltakt.
Beim Mentorenlehrgang an der Musikakademie in Staufen nimmt das Dirigat der Jugendlichen langsam Form an - schließlich geben sich die Mentoren untereinander ehrliche Rückmeldung. Mit dem Hinweis „du hast den Scheibenwischer gemacht", können alle angehenden Dirigenten im Workshop von Thomas Epple etwas anfangen und versuchen sofort, präzisere Bewegungen zu machen.
„Stop!", unterbricht Epple plötzlich. Die Dirigentin hält in der Bewegung inne, das Orchester verstummt. „Wie ging's dir?", will der Dozent wissen. Zum ersten Mal vor einem Orchester zu stehen und zu dirigieren sei nicht so schlimm, stellt die Hornistin fest und meint: „Die spielen ja alle schön." Lob gibt's dann prompt auch von Thomas Epple:

 

Die erste Orchesterprobe fordert die Mentoren in jeder Hinsicht heraus. Partitur lesen ist das eine. Vor dem Orchester zu dirigieren das andere. Fehlt nur noch eins: Singen!

 

Der nächste Mentor steigt auf das Podest vor das Dirigentenpult. An allen Lehrgangsteilnehmern kann man eine Besonderheit beim Dirigieren beobachten: Manchen fällt noch vor dem ersten Einsatz der Taktstock aus der Hand, andere klopfen während des Dirigierens noch mit dem Fuß im Takt aufs Podest. Was wird beim nächsten Dirigenten wohl passieren? Feedback aus dem Orchester folgt schon nach den ersten paar Takten - mehr oder weniger ungewollt. Die Schlagzeugerin hat ihren Einsatz gefunden. Und der Rest des Orchesters?

 

Und warum spielt keiner? Ganz einfach: Der Dirigent hat dem Orchester keinen Einsatz geben. Thomas Epple gibt einen Tipp: „Du kannst am Anfang einfach sagen, dass du ‚tutti‘ proben willst. Dann ist allen klar, dass sie mitspielen sollen." Beim nächsten Versuch spielt das ganze Orchester. Einzelne Einsätze in den Registern bleiben aber unpräzise.
Grund ist die Sache mit dem Schlüsselbund: Wenn der Dirigent langsam zum Werfen des Schlüsselbundes ausholt, werden die Musiker genauso langsam spielen. „Wirft" der Dirigent den Schlüssel in Gedanken schnell, wird das Endtempo der Viertel auf 112 schon eher erreicht. Thomas Epple erklärt den Mentoren: „Ich kann aber nicht langsam werfen und das Ding fliegt schnell." Als der Dozent zur Veranschaulichung langsam ausholt und dann in rasendem Tempo dirigiert, spielt das Klavier prompt taktgenau mit. Alle lachen.
Nach vielen neuen Eindrücken bringen die Mentoren das Thema von Rapunzel unter dem Dirigat eines Mentors zum Klingen.

Trompeten-Register



Stechers Aufforderung zum Selbstdenken
Motivation macht keinen Spaß - oder etwa doch?

Vortrag Michael Stecher

„Schnallt euch an. Was jetzt kommt, macht keinen Spaß", stellt Musikpädagoge Michael Stecher gleich am Montagmorgen klar. Im Lehrgangsplan steht „Motivation". Sind die jungen Mentoren etwa falsch? Ganz und gar nicht.
Stecher erklärt, warum: „Wenn man sich selbst ernst nimmt, macht's eben keinen Spaß." Auch ihm werde der Vortrag keinen Spaß machen - immerhin wolle auch er die Mentoren ernst nehmen, so Stecher. Ziel des studierten Trompeters ist es nicht, Fragen zu klären, sondern Fragen aufzuwerfen: „Warum seid ihr beim Mentorenlehrgang? Warum musiziert ihr? Warum habt ihr JMLA gemacht? Warum übt ihr?"
Die Antwort ist immer dieselbe: Aus Spaß an der Freude. Die jungen Mentoren proben um des Probens willen. So kompliziert das klingt, ist es nicht. Vielmehr ist das Üben eine anstrengende Angelegenheit. Man muss sich also immer wieder von neuem dazu überwinden, um später mit dem Gefühl der Zufriedenheit belohnt zu werden. Und das Beste daran? Die Qualität der Freude, die aus eigener Anstrengung kommt, ist höher als diejenige, die aus einem passiven Erlebnis resultiert.
Erste Voraussetzung zu diesem Prozess ist laut Stecher das „Selbstdenken". Der Pädagoge sagt mit ernster Miene: „Ihr Lieben, das nimmt euch keiner ab. Gleichzeitig ist das die wichtigste Aufforderung an euch." Über Bildung werde man frei, erfahre Glück und könne sich selbst ernst nehmen.
Die Lehrgangsteilnehmer und Michael Stecher selbst nehmen den Motivations-Vortrag sogar so ernst, dass sie allen Grund zum Lachen haben.

Vortrag Michael Stecher

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